Große Ehre für Maybebop: Amerikas Kritiker ehren das beliebte A-cappella-Ensemble aus Hannover.

Hannover. Das ist so etwas wie der Grammy der internationalen A-cappella-Szene: Maybebop holen den „Pick of Decade“ der Kritiker vom „Recorded A Cappella Review Board“ (RARB). Das zeichnet seit zwei Jahrzehnten jährlich weltweit A-cappella-Bands aus – den „Pick“ gibt es überhaupt erst zum zweiten Mal. Maybebop-Bass Sebastian Schröder im Interview über Ehrungen, Pläne und – natürlich – Corona.

Sebastian Schröder, Glückwunsch zur Auszeichnung – gegen wen musste Maybebop sich durchsetzen?

Die Konkurrenz ist weltweit und sehr hart – und unglaublich viele starke Sachen kommen natürlich aus den USA. Was uns besonders freut, dass das eine reine Expertenjury ist – und das noch aus dem Hauptland des modernen A cappella, wo jede Highschool eine eigene Truppe hat und Castingshows nur für A-capella-Bands gesendet werden

Was hat die Jury überzeugt, die beste A-cappella-Band ausgerechnet in Deutschland, in Hannover zu finden?

A cappella ist sowieso sehr im Kommen – wenn man Filme sieht wie „Pitch Perfect“. Ich denke, es sind unsere unglaubliche Vielseitigkeit und die ganzen Musikstile, die wir abdecken, Popmelodien über Discobeats, Polkas, Rap, gefühlige Balladen und Barbershop hin zu afrikanischer Musik und sogar aufgepeppte synkopisierte klassische Stücke.

Muss man sich um diesen Preis bewerben?

Ja, man muss Material einschicken, das dann von einer unabhängigen Jury eingehend geprüft wird.

Wie waren die eigenen Erfahrungen in den USA?

Wir hatten eine Tour drei Wochen an der Ost- und Westküste – waren dann in verschiedenen deutschen Institutionen unterwegs. Das lief alles sehr gut, wir haben die Amis doch einigermaßen überzeugt. Das ZDF hat dabei gedreht.

Wie wird die deutsche A-cappella-Szene weltweit geschätzt?

Deutschland steht schon ziemlich weit vorne. Das liegt auch daran, dass in Deutschland staatlicherseits gefördert wird, was auch gut für den Nachwuchs ist. In anderen Ländern, beispielsweise Italien, sieht das nicht so gut aus. England hat dagegen eine ganz starke Tradition mit den King’s Singer oder den Swingle Singers. A cappella ist in manchen Ländern ein echtes Massenphänomen, manche Bands füllen Stadien.

Wo steht Maybebop heute?

Ziemlich gut da. Wie spielen im Jahr vor gut 70.000 Leuten, haben bisher mehr als ein Dutzend Alben eingespielt, etliche DVDs – und unsere Kreativität ist noch lange nicht erschöpft.

Worauf wird die sich in der nächsten Zeit konzentrieren?

Wir wollen im Spätsommer ein Kinderalbum herausbringen – weil wir häufig gefragt werden, warum wir nichts für Kinder im Repertoire haben. Weihnachten werden wir eine entsprechende DVD auf den Markt bringen.

Und wie geht Maybebop mit Corona um?

Pragmatisch. Natürlich fallen viele Konzerte und dadurch Einnahmen weg – aber wenn man so lange im Geschäft ist, muss man sich schon ein gewisses Polster gebildet haben – von dem wir jetzt leben. Die Pause darf allerdings nicht allzu lang sein. Ich habe auch schon Soforthilfe beantragt.

Viele Künstler streamen ja jetzt aus dem Wohnzimmer ...

Wir facetimen zusammen für uns. Einmal pro Woche haben wir eine Telefonkonferenz. Wir hatten auch schon überlegt, ob wir in gebührendem Abstand untereinander mal ein Konzert streamen – wir denken aber, dass das ein falsches Signal ist, wenn wir als Gruppe auftreten, wo sich doch jeder separieren soll.

Ihr Vater lebt ja in Italien – wie sieht es da aus?

Schlimm. Wir stehen in engem Kontakt, er ist seit vier Wochen in einem Bergdorf in der Toscana – und darf im Prinzip das Dorf nicht verlassen. Ein Supermarkt – nur jeweils ein Mensch darf ihn betreten.

Wird es einen Corona-Song a cappella geben?